Pentax Q im Test: Ein Systemzwerg räumt auf
Die Pentax Q hat nicht nur einen kurzen Namen, sie ist auch allgemein etwas kurz geraten. Kein Wunder, schließlich soll sie die derzeit kleinste und leichteste spiegellose Systemkamera der Welt sein. Doch auch in puncto Bildqualität wird laut Hersteller einiges geboten. FOTO DIGITAL wollte wissen, ob die Pentax Q wirklich das versprochene DSLR-Niveau erreicht.
Kompakt- oder Systemkamera? Nicht einmal erfahrene Fotografen sind sich auf den ersten Blick schlüssig. Schließlich ist die Pentax Q mit ihren hosentaschengerechten 98 x 57,5 x 31 Millimetern (B x H x T) kaum größer als zum Beispiel eine Zigarettenpackung und bringt im betriebsbereiten Zustand gerade einmal 200 Gramm auf die Waage. Anders ausgedrückt: Sie ist die kleinste und leichteste Systemkamera der Welt. Aufsehen erregt das Modell aber trotzdem, soll es doch genau das Anforderungsprofil ambitionierter Fotografen treffen und höchsten Qualitätsansprüchen gerecht werden.

Auf engstem Raum: Pentax hat jede Seite der Q sinnvoll genutzt. Die Anschlüsse finden sich auf der Unterseite neben dem Stativgewinde
Technik
Dass es sich bei der Pentax Q tatsächlich um eine (spiegellose) Systemkamera handelt, wollen viele erst einmal nicht glauben oder besser gesagt wahrhaben. Also gut: Arretierungsknopf drücken und das Objektiv abnehmen, nur um anschließend das große Staunen und Lächeln in den Gesichtern zu beobachten. FOTO DIGITAL bekam übrigens die im günstigsten Kit enthaltene „01 Standard Prime“-Optik mitgeliefert. Diese besitzt eine Festbrennweite von 8,5 Millimetern (47 Millimeter Kleinbildäquivalent) und bietet mit ihrer Blendenöffnung von f/1,9 eine überdurchschnittlich hohe Lichtstärke. Auf Wunsch gibt es das 5-bis-15-Millimeter-Dreifachzoom (27,5 bis 83 Millimeter entsprechend Kleinbild) dazu, wobei das Set dann stolze 899 statt 749 Euro kostet. Zum Anschließen der Objektive hat Pentax eigens das Q-Bajonett entwickelt.

Der als Zubehör angebotene optische Sucher für die Pentax Q ist speziell für das 8,5-Millimeter-Objektiv konzipiert
Soweit klingt das alles schon einmal sehr verlockend. Bis auf den Bildsensor: er ist winzig klein! Wie so oft macht der Hersteller einen Hehl daraus und spricht lediglich vom „1/2,3-Zoll-Format“, ohne die genauen Maße – nämlich 6,2 x 4,6 Millimeter – zu nennen. Konkret handelt es sich dabei um einen CMOS-Chip, der 12,4 Megapixel auflöst und einen Empfindlichkeitsbereich von ISO 125 bis 6.400 abdeckt. Die Belichtungszeit lässt sich in Drittelstufen zwischen einer Zweitausendstelsekunde und 30 Sekunden einstellen. Wird der elektronische Verschluss aktiviert, sind sogar Kurzzeitbelichtungen von einer Achttausendstelsekunde möglich. Demgegenüber bietet die Q natürlich auch einen Bulb-Modus. Um Verwacklungsunschärfen bei längeren Verschlusszeiten und/oder Brennweiten zu vermeiden, ist der Sensor beweglich gelagert, sodass er das Bild mechanisch stabilisiert.

Der Aufhellblitz klappt auf Knopfdruck aus dem Gehäuse heraus - er funktioniert aber auch im eingefahrenen Zustand
Unter schlechten Lichtbedingungen hellt ein ausklappbarer Aufhellblitz das Motiv auf Wunsch ein wenig auf. Wem die Leitzahl von 5,6 nicht ausreicht, kann über den Zubehörschuh ein externes Blitzgerät anschließen. Alternativ lässt sich darauf auch anderes Zubehör wie etwa ein optischer Sucher aufstecken, wobei dieser in erster Linie für das “01 Standard Prime”-Objektiv mit 8,5 Millimetern Brennweite konzipiert ist. Zur Motivkontrolle hat Pentax seiner ersten spiegellosen Systemkamera einen drei Zoll großen Monitor mit 460.000 Bildpunkten spendiert. Videos nimmt die Q entweder in VGA-, HD- oder Full-HD-Auflösung auf und speichert diese als MOV-Datei ab. Fotos werden im JPEG- und/oder DNG-Format (RAW mit zwölf Bit Farbtiefe) geknipst. Als Speichermedium unterstützt die Kamera SD-, SDHC- und SDXC-Karten. An Anschlüssen stehen auf der Unterseite ein HDMI-Port sowie eine USB-Schnittstelle bereit. Für die digitale Nachbearbeitung von Bildern legt Pentax die Software „Silkypix Developer Studio 3.0“ bei.

Pentax bietet die Q in Schwarz und Weiß an. Die Anzahl an kompatiblen Wechselobjektiven ist allerdings noch sehr gering
Bedienung
Die Pentax Q liegt trotz ihrer gummierten Frontseite und der kleinen Griffwulst, die höchstens Platz für den Mittel- und Ringfinger bietet, nicht gerade komfortabel in der Hand. Der mitgelieferte Trageriemen schränkt die Bedienungsfreiheit weiter ein, da er häufig im Weg ist. Eine einfache Handschlaufe wäre hier wohl besser gewsen. Nichtsdestotrotz dürften sich selbst verwöhnte Spiegelreflexfotografen recht schnell an die Kamera gewöhnen, da sie über zahlreiche manuelle Einstellmöglichkeiten verfügt. Anders als zum Beispiel die Nikon 1 J1 oder Sony NEX-5N (beide Tests in FOTO DIGITAL 1-2/2012), gestattet die Q dank ihres „echten“ Modus-Wahlrads einen deutlich bequemeren Zugriff auf die Programmautomatik, die Zeit- beziehungsweise Blendenvorwahl oder die manuelle Betriebsart. Das Durchforsten des Menüs bleibt glücklicherweise erspart. Die Aufnahmeparameter sind über den in Daumennähe befindlichen Drehregler einstellbar.

Im BC-Modus lässt sich die gewünschte Schärfentiefe einfach über den Drehregler einstellen - Kenntnisse der Aufnahmeparameter sind nicht erforderlich
Schade nur, dass der winzige Bildsensor die kreativen Möglichkeiten einschränkt – Hintergrundunschärfen etwa lassen sich nur schwer bis gar nicht realisieren. Allerdings hat Pentax der Q eine Unschärfekontrolle spendiert, die sich im BC-Modus („Bokeh Control“) findet. Diese soll den Eindruck einer weit geöffneten Blende und geringer Tiefenschärfe erwecken. Konkret werden dabei mehrere Aufnahmen mit unterschiedlicher Schärfeeinstellung gemacht und zu einem Bild kombiniert. Wie gut das in der Praxis funktioniert, verraten wir unter „Bildqualität“. Wer zum Beispiel häufiger das Bildseitenverhältnis (1:1, 3:2, 4:3 und 16:9) wechselt oder gerne mit Farbeffekten und Digitalfiltern fotografiert (siehe „Kreativprogramme“), kann das Schnell-Einstellrad auf der Frontseite mit vier unterschiedlichen Funktionen belegen.

Die Pentax Q verfügt über 21 verschiedene Kreativprogramme. Für Laien dürfte vor allem die kurze Beschreibung im unteren Bildschirmbereich hilfreich sein
Darüber hinaus ist die grüne Taste individuell belegbar. So kann man auf Knopfdruck beispielsweise vom JPEG- in den RAW-Betrieb wechseln oder im Manuellmodus die Belichtung anpassen. Während die Drehregler genau die richtige Größe haben, fallen die restlichen Bedienelemente der Pentax Q ziemlich klein aus. Einige Tasten sind sogar so weit ins Gehäuse eingelassen, dass man schon fast einen Stift braucht, um diese zu betätigen. Der Auslöser sitzt auf einer Art Podest und ragt gute vier Millimeter aus der Oberseite heraus. Das ist deshalb praktisch, weil es sonst leicht zu Verwechslungen mit dem daneben liegenden Ein- und Ausschalter kommen könnte.

Viele Tasten der Pentax Q sind zu klein geraten. Dafür ist das Menü sehr übersichtlich und reichhaltig - auf Wunsch kann sogar ein ND-Filter zugeschaltet werden

Ganz ohne Computer und Zusatssoftware: Bilder und Videos können teilweise direkt auf der Kamera nachbearbeitet beziehungsweise geschnitten werden
Mithilfe des Cursorfelds auf der Rückseite lassen sich die ISO-Empfindlichkeit, der Weißabgleichs, der Blitzmodus und die Aufnahmeart direkt einstellen. Andererseits kann man mit den Tasten intuitiv duch das Menü navigieren. Leider reagiert der Monitor im Vergleich zur Nikon 1 J1 extrem langsam, was zum Teil auch auf den aktiven Bildstabilisator zurückzuführen sein dürfte. Das stört in Videoaufnahmen zwar ein wenig, doch sind diese dafür frei von nervigen Verwacklungen. Bei wechselnden Lichtsituationen passt die Pentax Q automatisch die Belichtung an.
Kreativprogramme
Während die PentaxQ in der Automatik mehr oder weniger selbstständig die Motivsituation erkennt und die Parameter dahingehend einstellt, kann der Fotograf im Szenenmodus auch selbst einen von 21 Kreativprogrammen wählen. Das Angebot reicht vom klassischen Porträt-, Landschafts-, Makro- und Sportmodus („Objekt in Bewegung“) über spezielle Modi für Aufnahmen unter hellem Licht, in schummrigen Umgebungen oder bei Nacht bis hin zu einem blitzlosen Programm, das beispielsweise in Museen von Vorteil ist.

Die Pentax Q liefert auch unter eher schlechten Lichtbedingungen natürliche Farben, wenn auch der Bildsensor an seine Grenzen stößt
Außerdem stehen zwei HDR-Funktionen zur Verfügung, die drei Fotos in Serie erstellt und diese entweder zu einem rauschreduzierten oder dynamikopimierten Bild kombiniert. Damit man für jede Situation das richtige Programm wählt, wird beim Markieren des jeweiligen Symbols eine kurze Beschreibung eingeblendet. Allerdings bietet die Digicam noch mehr als nur den Szenenmodus. Ist das Rohdatenformat deaktiviert, kann der Fotograf noch auf elf Digitalfilter zurückgreifen, die zum Beispiel einen Spielzeugkamera-, Fisheye- oder Posterisationseffekt auf das Motiv anwenden. Hinzu kommen die Möglichkeiten, den Kontrast zu erhöhen, den Hintergrund abzudunkeln, das Bild leicht zu verzerren oder die Farben umzukehren (Negativfilm). Einige Filter lassen sich sogar in ihrer Intensität apassen.
Der Menüpunkt „Benutzerdefiniertes Bild“ rundet die Kreativität der Pentax Q ab. Dieser ermöglicht eine einfache Farbanpassung, indem der RGB- (Rot, Gelb, Grün) und CMY-Raum (Cyan, Magenta, Gelb) anhand vordefinierter Charakteristiken erweitert oder verkleinert wird. Einige Parameter wie etwa Sättigung, Schärfe und Kontrast lassen sich dabei manuell korrigieren. Einige der hier genannten Optionen sind übrigens auch im Wiedergabemodus verfügbar.

Die HDR-Funktion der Pentax Q verbessert zwar die Zeichnung in den Lichtern, am Dynamikumfang tut sich aber leider nur sehr wenig
Bildqualität

Auch wenn sich das Rauschen sehr in Grenzen hält, könnte die Durchzeichnung und Dynamik in dieser Aufnahme besser sein
Ein 1/2,3-Zoll-Bildsensor ist für eine Systemkamera zwar nicht die beste Wahl, doch beweist die Pentax Q, dass man sich von den vielerorts verbreiteten Vorurteilen und ihrem kompakten, unscheinbaren Design nicht beirren lassen sollte. Denn obwohl dem CMOS-Chip seine winzigen Abmessungen von 6,2 x 4,6 Millimetern ziemlich schnell an der teils bescheidenen Durchzeichnung anzusehen sind, punktet er erstaunlicherweise mit einem soliden Rauschverhalten. Ein gewisses Grundrauschen lässt sich bei niedriger Lichtempfindlichkeit kontruktionsbedingt natürlich nicht vermeiden, doch treten die Störpixel erst zwischen ISO 1.000 und ISO 1.600 sichtbar in Erscheinung, wordurch das Bild weich wirkt. Die rückseitige Beleuchtung des Sensors und die Rauschunterdrückungsfunktion sorgen allerdings dafür, dass viele Details immer noch gut erkennbar bleiben. Letztere lässt sich bei Bedarf von Hand in zwei Stufen einstellen, ausschalten kann man sie nicht.
Unter dem Strich liegt die Detailtreue dennoch nur auf Kompaktknipsen-Niveau. Erschwerend hinzu kommt, dass Konturen leicht ausgefranst erscheinen. Die Farbwiedergabe wiederum überzeugt: Die Pentax Q stellt praktisch alle Farbtöne originalgetreu dar, neigt aber zu einer leichten Unterbelichtung. An der Nuancierung feiner Verläufe gibt es im Großen und Ganzen ebenfalls nichts auszusetzen. Leider kommen Kontraste weniger schön zur Geltung, was vor allem in monotonen Motiven auffällt. Immerhin erreicht das Kitobjektiv eine sehr überzeugende Abbildungsleistung mit nur geringen Randunschärfen. Die Hintergrundunschärfe im BC-Modus kann sich zwar sehen lassen, reicht aber logischerweise nicht an den originalen Effekt heran.

Der Bildwinkel des 8,5-Millimeter-Objektivs für die Pentax Q ist sehr eingeschränkt - die KB-Brennweite beträgt hier 47 Millimeter
Im Videomodus liefert die Pentax Q knackig scharfe Full-HD-Aufnahmen – vorausgesetzt, man zieht den Fokus immer wieder von Hand nach. Das AF-System funktioniert während des Filmens nämlich aus unerklärlichen Gründen nicht. Ferner sollten flotte Kameraschwenks vermieden werden, da ansonsten diagonale Verzerrungen (Rolling-Shutter-Effekt) auftreten. Hier haben selbst einige Kompaktknipsen die Nase vorn. Ebenso beim Ton: das integrierte Mikrofon der Q zeichnet nur in mono auf.

Zwar liefert die Pentax Q rauscharme Bilder, kann in puncto Detailtreue und Durchzeichnung nicht ganz überzeugen (links). Im Referenzbild sind die Holzmaserungen und Werkzeugköpfe dank der hohen Konturenschärfe deutlich detaillierter.

Das Bild der Pentax Q (links) bietet zwar natürliche Farben, ist aber relativ kontrastarm. Die Referenzkamera erzielt allerdings eine noch bessere Farbwiedergabe sowie ein hervorragendes Kontrastvermögen
Fazit
Obwohl oder gerade weil die Pentax Q so kompakt ist, überrascht sie auf ganzer Linie: Ihr Gehäuse ist kaum größer als eine Packung Taschentücher, beherbergt aber mordernste Digitaltechnik, die man praktisch sogar in der Jackentasche mitnehmen kann. Allerdings hat das Konzept auch ein paar Schwächen. Genannt sei hier vor allem der winzige Sensor, der sich aufgrund seiner eher durchschnittlichen Bildqualität gegenüber den in dieser Kameraklasse üblichen Chips geschlagen geben muss. Daran rüttelt leider auch das geringe Rauschen nichts mehr. In puncto Bedienung hingegen übertrumpft der Pentax-Systemzwerg seine Klassenkameraden. Besonders die vielen manuellen Einstellmöglichkeiten und Kreativprogramme sowie der Zubehörschuh wissen zu überzeugen. Folglich kommt die Pentax Q für ambitionierte Fotografen durchaus als (wenn auch teure) Überall-dabei-Kamera infrage, weshalb sie sich das FOTO DIGITAL-Qualitätssiegel „Gut” verdient hat.
Weiterführende Links:
Nikon




