Olympus PEN E-PL 2 im Test: Das vierte Drittel
Olympus hat seine knapp zwei Jahre alte PEN-Reihe um die nunmehr vierte Micro-Four- Thirds-Systemkamera erweitert: Die neue PEN E-PL2 kommt, ebenso wie die vorangegangenen Modelle, ganz ohne Spiegel aus, garantiert aber trotzdem eine „überzeugende SLR-Bildqualität mit Hintergrundunschärfe“.
Mit der PEN E-PL2 setzt Olympus eigenen Angaben zufolge einen neuen Meilenstein bei benutzerfreundlichen Kameras. So steht das bewährte „Live Guide“-Feature dem Nutzer nun nicht nur beim Fotografieren, sondern auch im Videomodus mit hilfreichen Tipps zur Seite. Dabei soll der neu hinzugekommene Drehregler auf der Rückseite („Live Wheel“) die Menüführung noch einfacher machen. Wer jetzt allerdings denkt, dass der Hersteller ausschließlich auf Einsteiger abzielt, irrt sich: Die jüngste PEN-Vertreterin besitzt einige DSLR-Ausstattungsmerkmale und bietet sogar ein umfangreiches Zubehörprogramm an.

Designorientierte Fotografen haben die Wahl zwischen den Farbvarianten Schwarz, Silber, Weiß und Rot
Technik

Das Objektiv muss per Zoomring erst einmal ein Stück weit ausgefahren werden, um das Licht auf den Sensor bündeln zu können – der „Unlock“-Schalter dient zum Einfahren
Für den Test wurde uns das E-PL2-14-42-Kit mit dem neuen Standard-Zoomobjektiv M.Zuiko Digital ED 14-42 mm 1:3.5-5.6 II zur Verfügung gestellt. Neben den derzeit 16 Micro-Four-Thirds-Linsensystemen akzeptiert die PEN E-PL2 dank ihres optionalen Adapters insgesamt mehr als 500 weitere Wechseloptiken mit Four-Thirds- oder OM-Bajonett. Hinzu kommen drei separat erhältliche Konverter für Weitwinkel-, Fisheye- und Makroaufnahmen.
Darüber hinaus ermöglicht der „Accessory Port 2“ auf der Oberseite den Anschluss eines Bluetooth-Moduls (zur drahtlosen Datenübertragung), eines externen Mikrofons, eines elektronischen oder optischen Suchers, eines Makrolichts sowie verschiedener Blitzgeräte. Ungeachtet der Zubehörvielfalt erinnert das gerade einmal 115,4 x 72,2 x 42 Millimeter große Gehäuse aus Aluminium und Kunststoff mehr an eine herkömmliche Digicam als an eine Systemkamera.

Drahtloser Datentransfer: Mit dem Penpal PP-1 lassen sich Fotos direkt via Bluetooth an einen Computer, ein Smartphone und andere Geräte übertragen
Die inneren Werte sprechen jedoch für sich: Beim Bildsensor setzt Olympus auf den gleichen Live-MOS-Chip wie in der Profi-DSLR „E-5“ (Test in Ausgabe 3-4/2011). Er löst auf einer Fläche von 17,3 x 13,0 Millimetern (Four-Thirds-Format) effektiv 12,3 Megapixel auf und ist zwecks Bildstabilisierung beweglich gelagert. Bei Bedarf lässt sich der mechanische Verwacklungsschutz nur auf die horizontale oder vertikale Achse beschränken, um eine gezielte Bewegungsunschärfe zu erreichen. Die Verschlusszeit reicht von einer Viertausendstelsekunde bis zu 60 Sekunden. Für längere Belichtungen hält die Kamera einen Bulb-Modus bereit (maximal 30 Minuten). Die Lichtempfindlichkeit ist zwischen ISO 200 und ISO 6.400 regulierbar.
Fotos werden als JPEG- oder ORF-Datei (RAW mit zwölf Bit Farbtiefe) auf einer SD-, SDHC- oder SDXC-Speicherkarte abgelegt. Ebenso kann der Nutzer HD-Videos im AVI-Motion-JPEG-Format mit 1.280 x 720 Pixeln und 30 Bildern pro Sekunde aufzeichnen, wobei die Aufnahmezeit auf gerade mal sieben Minuten beschränkt ist. Bei VGA-Auflösung (640 x 480 Pixel) ist nach 14 Minuten Schluss. Full-HD-Aufnahmen mit 1080p kann man mit der Kamera leider nicht machen. Das Sucherbildfeld im Live-View beträgt 100 Prozent.
Bedienung

Die Olympus PEN E-PL2 bietet zahlreiche Einstellmöglichkeiten und unterstützt sogar Belichtungsreihen
Obwohl das fest eingebaute Display mit 460.000 Pixeln und einer Diagonale von drei Zoll (7,6 Zentimeter) großzügig bemessen ist, fallen die Bedienelemente relativ klein aus. Das passt zwar zum Gesamtbild der PEN E-PL2, erweist sich in der Praxis aber bei großen Händen eher als störend. Anspruchsvollere Fotografen dürften zudem die Griffigkeit und Haptik einer Spiegelreflexkamera vermissen. Im Großen und Ganzen bietet das Modell angesichts seiner kompakten Bauweise dennoch eine angenehme Ergonomie. Die Tasten sind übersichtlich angeordnet und verständlich beschriftet. Zudem erlaubt das leichtgängige Drehrad auf der Rückseite („Live Wheel“) ein besonders schnelles Navigieren durch die Menüs.
Die dortigen Einstellmöglichkeiten umfassen neben tiefer gehenden Kamerakonfigurationen unter anderem auch die Auswahl des Bildformats (4:3, 16:9, 3:2 und 6:6), eine Bracketing-Funktion (AE-, WB-, FL – oder ISO-Belichtungsreihe) sowie die Blitzstärke. Apropos: Mit einer Leitzahl von sieben ist der ausklappbare Blitz relativ schwach und somit nur für kurze Distanzen geeignet. Wichtige Kameraeinstellungen wie Blende, Licht empfindlichkeit und Verschlusszeit lassen sich in den halbautomatischen beziehungsweise manuellen Modi P, S, A und M über das Vier-Wege-Pad ändern.

Kinderleicht: Mit dem „Live Guide“ kann man in der Vollautomatik ohne Vorkenntnisse diverse Aufnahmeparameter einstellen
Wie ihre Vorgängerin, verfügt auch die PEN E-PL2 in der Vollautomatik über den „Live Guide“. Das Feature ermöglicht eine kinderleichte Anpassung der Farbsättigung, der Farbtemperatur, der Helligkeit, der Hintergrundunschärfe sowie der Belichtungszeit über eingeblendete Regler, ohne die entsprechenden Aufnahmeparameter kennen zu müssen. Speziell für Einsteiger hält der „Live Guide“ außerdem nützliche Tipps zum Fotografieren von Kindern, Tieren, Blumen und Speisen bereit. Ebenso werden Hilfestellungen für gut gewählte Bildausschnitte und geeignetes Zubehör geboten.
Die Kamera erreicht eine Serienbildrate von bis zu drei Bildern pro Sekunde, wobei im RAW-Modus nach zehn Aufnahmen Schluss ist. Gespeicherte Fotos können direkt innerhalb der Wiedergabefunktion beschnitten, korrigiert, farblich angepasst und mit einem Schwarz-Weiß- oder Sepia-Ton versehen werden. Über den AV-Ausgang oder HDMI-Port auf der rechten Seite sind die Bilder und Videos sofort auf einem Fernseher abspielbar. Das Stativgewinde hat Olympus jedoch etwas ungünstig platziert: Ist beispielsweise eine Schnellwechselplatte angeschraubt, lässt sich die Akku- und Speicherkartenabdeckung nicht mehr öffnen, was einen schnellen Kartenwechsel unmöglich macht. Dieses Problem hatten wir auch schon bei der PEN E-PL1.

WCON-P01, FCON-P01 und MCON-P01: Mit den drei Linsenkonvertern lässt sich die Brennweite für Weitwinkel-, Fisheye- beziehungsweise Makroaufnahmen anpassen
Kreativprogramme
Geht es um die Bildgestaltung, ist die PEN E-PL2 ein Künstler. So finden sich allein im Szenenmodus (SCN) stolze 22 Programme, die vor allem unerfahrenen Nutzern das Fotografieren in bestimmten Situationen erleichtern. Dazu zählen zum Beispiel „Porträt“, „Landschaft“, „Sport“, „Kinder“, „Kerzenlicht“, „Panorama“ und „Feuerwerk“. Kombinationen wie „Landschaft und Porträt“ oder „Nacht und Person“ sind ebenfalls möglich. Als gestalterische Bildstile stehen außerdem „Low Key“ und „High Key“ zur Auswahl. Die geeigneten Parameter für die jeweiligen Motive – zum Beispiel kurze Belichtungszeiten bei sich schnell bewegenden Objekten – werden dabei automatisch von der Kamera eingestellt.

Akzente setzen: Mit dem optional erhältlichen Macro Arm Light AL-1 lassen sich Motive für die Nahaufnahme besser ausleuchten
Wer einen Objektivkonverter (FCON-P01 für 149 Euro, WCON-P01 für 89,90 Euro oder MCON-P01 für 49,90 Euro) besitzt, kann im Szenenmodus auch auf „Fisheye Effekt“, „Weitwinkel“ und „Makro“ zurückgreifen. Neben dem standardmäßig eingestellten „Natural“-Modus bietet die Kamera noch vier weitere Bildmodi (i-Enhance, Vivid, Muted und Porträt). Sechs zusätzliche Art-Filter runden das Kreativangebot der PEN E-PL2 ab.
Dabei sorgt „Pop Art“ für knallige Farben, „Soft Focus“ für eine Weichzeichnung, „Monochrom Film“ für den Effekt eines körnigen Schwarz-Weiß-Films, „Lochkamera“ für Abschattungen in den Ecken sowie an den Seiten, „Diorama“ für die Wirkung eines Modellaufbaus und „Dramatischer Effekt“ für HDR-ähnliche Aufnahmen. Alle Art-Filter werden nur bei JPEG-Bildern angewandt. In unserem Test kam es bei aktivierter Live-Vorschau teilweise zu erheblichen Anzeigeverzögerungen auf dem Display.

Dramatischer Effekt: Die Olympus PEN E-PL2 bringt im Art-Modus eine beeindruckende Dramatik ins Bild
Bildqualität
Nachdem der 12,3-Megapixel-Sensor bereits bei der Olympus E-5 überzeugen konnte (siehe Heft 3-4/2011), wurde die Messlatte für die PEN E-PL2 mit dem gleichen Chip entsprechend hoch gelegt. Natürlich darf man hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, zumal die E-5 als Profi-DSLR in einer völlig anderen Liga mitspielt, doch waren wir von der Bildqualität des jüngsten PEN-Modells positiv überrascht. So gefiel allein schon im JPEG-Modus die hohe Auflösung und hervorragende Detailschärfe, die einer digitalen Spiegelreflexkamera in nichts nachsteht. Auch das Durchzeichnungsvermögen bewegt sich auf erstklassigem Niveau, lässt bei schwachem Licht jedoch merkbar nach. Das Bildrauschen hat die Kamera dafür bestens im Griff: Störende Körnungen kommen erst bei extremen ISO-Werten jenseits der 1.600 zum Vorschein. Der Kontrastumfang in dunklen Bereichen hinkt ein wenig hinterher, wobei das Modell zu einer leichten Unterbelichtung neigt.
Darüber hinaus tritt die Sättigung warmer Farbtöne zu früh ein. Trotzdem müssen sich die PEN E-PL2 und das Objektiv nicht vor preislich ebenbürtigen DSLR-Systemen verstecken. An der 720p-Videoqualität gibt es kaum etwas auszusetzen. Weder bei flotten Kameraschwenks noch beim Zoomen treten Verzerrungen auf. Zudem funktioniert beim Filmen sogar das AFSystem. Der Autofokus pumpt zwar gelegentlich arbeitet ansonsten aber sehr zuverlässig, schnell und vor allem extrem leise: Die Scharfstellung ist auf der Tonspur gänzlich unhörbar. Schade findet FOTO DIGITAL nur, dass keine Full-HDAufnahmen unterstützt werden. Für Stereosound muss man zu einem externen Mikrofon greifen (Adapter-Set SEMA-1 für 109 Euro erforderlich). Übrigens stehen im Videomodus die sechs Art-Filter ebenfalls zur Verfügung.
Getestetes Zubehör
Neben der PEN E-PL2 selbst haben wir auch das Makrolicht Macro Arm Light MAL -1 für 49,90 Euro unter die Lupe genommen. Das Aufsteckmodul verfügt über zwei flexible Arme mit je einer LED, die eine optimale Ausleuchtung des Motivs ermöglichen. Die Stromversorgung erfolgt dabei über den Zubehörschuh. Beide Lichtquellen sind unabhängig voneinander dimm- und ausschaltbar. Da die Naheinstellgrenze des Objektivs allerdings sehr zu wünschen übrig lässt, muss man für richtig gute Nahaufnahmen entweder zu einem anderen Linsensystem oder dem Makro-Konverter MCON-P01 (49,90 Euro) greifen.
Gelungene Bilder können mit dem 79,90 Euro teuren Bluetooth-Modul Penpal PP-1 drahtlos an ein kompatibles Endgerät wie zum Beispiel Smartphone oder Computer übertragen werden. Diese Möglichkeit ist zwar in manchen Situationen praktisch, aber nicht unbedingt erforderlich, zumal das Auslesen der Speicherkarte meist schneller geht. Das Modul verkleinert Fotos automatisch und bietet einen internen Speicherplatz für bis zu 2.600 Aufnahmen. Der Anschluss erfolgt ebenfalls über den „Accessory Port 2“ der PEN-Kamera. In der Regel wird das Zubehör sofort von der Digicam erkannt.
Fazit
Dass Übung den Meister macht, hat Olympus in den vergangenen Jahren immer wieder mit seinen kontinuierlich verbesserten Digitalkameras bewiesen. So ist auch die neue PEN E-PL2 eine gelungene Nachfolgerin, die im Vergleich zur PEN E-PL1 mit einem leicht überarbeiteten Design und modernster Technik aufwartet. Zu ihren Stärken gehören unumstritten die sehr gute Bildqualität auf SLR-Niveau sowie die zahlreichen Kreativprogramme, die Profis und Einsteiger zugleich begeistern dürften. Dass die Live-Vorschau mancher Art-Filter stark zum Stottern neigt, lässt sich verschmerzen. Hinsichtlich der Fotos lässt sich die Verwandtschaft zum Flaggschiff Olympus E-5 dennoch kaum leugnen. Die PEN E-PL2 ist also selbst für Profis eine empfehlenswerte und sehr kompakte Alternative zur digitalen Spiegelreflexkamera, wobei sie dank Micro-Four-Thirds-Standard sogar Objektive von Drittherstellern unterstützt. Nicht zuletzt deswegen bekommt sie das FOTO DIGITAL -Qualitätssiegel „Sehr gut“ und zusätzlich den „Kauftipp“.
Dieser Beitrag wurde in Ausgabe 5-6/2011 der FOTO DIGITAL veröffentlicht. Sie können die Zeitschrift hier zum Vorzugspreis von 39,90 Euro (1 Jahr mit 6 Ausgaben; Auslandspreis 50,40 Euro) abonnieren. Als kleines Dankeschön bekommen Sie von uns ein tolles Geschenk. Mehr zur aktuellen Prämie finden Sie auf unserer Abo-Seite.
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