Nikon D3100 im Test: Leicht rumzukriegen
649 Euro inklusive Objektiv: Als Nachfolgerin der „meistverkauften digitalen Spiegelreflexkamera Europas“ dürfte die neue Nikon D3100 aus preislicher Sicht schon einmal gute Chancen haben, an den Erfolg der D3000 anzuknüpfen. Wie sich die Einsteiger-DSLR in der Praxis macht, verrät der Test von FOTO DIGITAL.
Auch wenn Nikons bekannte „I AM“-Werbekampagne nichts Neues mehr ist, erscheint die jüngst mit Fernsehkoch Jamie Oliver beworbene D3100 ganz frisch: Getreu dem Slogan „I am easy to use“ („Ich bin einfach zu bedienen“) sollen vor allem die ausgefeilte Vollautomatik, das Autofokus-System mit elf Messfeldern und der Guide-Modus den Einstieg in die digitale Spiegelreflexfotografie zum Kinderspiel machen. Letzteres Ausstattungsmerkmal war schon im Vorgängermodell D3000 zu finden und erläutert schrittweise die unterschiedlichen Aufnahmeparameter sowie deren Auswirkungen auf das Bild.
Technik
Nikon deklariert die D3100 zwar explizit als Einsteiger-DSLR, doch dürften bei einem Blick auf die technischen Daten selbst ambitionierte Fotografen leuchtende Augen bekommen. Dafür sorgt nicht bloß der Sucher mit Dioptrieneinstellung und 95-prozentiger Bildfeldabdeckung, sondern vielmehr der 14,2-Megapixel-CMOS-Sensor im DX-Format (23,1 x 15,4 Millimeter) sowie der neue Bildprozessor „Expeed 2“. Die DSLR unterstützt alle Wechselobjektive mit F-B ajonett, zum Beispiel die beiden für unseren Test verwendeten Zoomoptiken AF-S DX Nikkor 18-55mm f/3.5- 5.6G VR und AF-S DX Nikkor 18-105mm f/3.5-5.6G ED VR. Der Bildstabilisator befindet sich direkt im Linsensystem.

Wer ein Objektiv für die D3100 kauft, sollte auf die Abkürzungen „AF“ und „VR“ achten. Letztere deutet auf einen integrierten Bildstabilisator hin
Das Kameragehäuse besteht ausschließlich aus Kunststoff, wirkt aber robust verarbeitet und hochwertig. Darüber hinaus liegt es dank gummierter Grifffläche und Daumenauflage sicher in der Hand – ein großer Vorteil im Vergleich zur Canon 1100D. Wem der integrierte Blitz mit der Leitzahl 13 nicht ausreicht, kann auf den Zubehörschuh ein externes Blitzgerät aufstecken. Für das automatische Scharfstellen in dunklen Umgebungen steht dem Autofokus ein kleines Hilfslicht zur Verfügung. Das AF -System greift dabei auf elf Messpunkte zurück. Die Lichtempfindlichkeit reicht von ISO 100 bis ISO 3.200, kann jedoch auch auf ISO 12.800 erweitert werden.
Ebenso ist die Belichtungszeit zwischen einer Viertausendstelsekunde und 30 Sekunden einstellbar. Im Bulb- Modus bleibt der Verschluss so lange geöffnet, wie der Auslöser gedrückt wird. Der Weißabgleich lässt sich feinjustieren und bei NEF-Fotos (RAW mit zwölf Bit Farbtiefe) sogar nachträglich definieren. Anders als ihre Vorgängerin verfügt die D3100 über eine Videofunktion: Der Nutzer kann in der vollen HD-Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln (1080p) mit 24 Bildern pro Sekunde filmen. Die Speicherung aller Aufnahmen erfolgt auf einer SD-/SDHC-/SDXC-Karte oder einer Eye-Fi-Karte mit integriertem WLAN-Modul. Zur Verwaltung und Bearbeitung der Dateien legt Nikon die Software „ViewNX2“ bei. An Anschlüssen bietet die Kamera einen AV-Ausgang, je einen USB- und HDMI-Port sowie eine Zubehörschnittschnelle für den separat erhältlichen Kabelfernauslöser MC-DC2 oder den GPS-Empfänger GP-1.
Bedienung

Gut: Blendengröße und Verschlusszeit werden grafisch dargestellt – im dunklen Feld darunter wird der ausgewählte Fokuspunkt angezeigt
Wie man es von einer Einsteiger-DSLR erwartet, fällt die Bedienung der D3100 sehr benutzerfreundlich aus. Dafür sorgt vor allem der Guide-Modus, ein kamerainterner Assistent, der speziell Anfänger an die Hand nimmt: Die Funktion hält eine Reihe von Anleitungen bereit und erklärt schrittweise, welche Kameraeinstellungen für welches Aufnahmeszenario am besten geeignet sind. Je nach Betriebsmodus (Einsteiger oder Fortgeschrittene) wird anschließend ein Motivprogramm aktiviert oder die Auswahl der entsprechenden Parameter dem Fotografen überlassen. Dazu veranschaulichen zahlreiche Beispielfotos, wie sich der Blendenwert und die Verschlusszeit auf das Bildergebnis auswirken.

Dynamikoptimierung: Im Menü lässt sich unter anderem das „Active D-Lighting“-Feature ein- und ausschalten
Wirklich vorbildlich, zumal die korrekten Einstellungen für Schärfentiefe und gewollte Bewegungsunschärfe auf diese Weise besonders leicht erlernbar sind. Wer einfach nur losknipsen möchte, wird mit dem Vollautomatikmodus glücklich. Hier nimmt die Kamera selbstständig passende Konfigurationen vor. In den Modi „P“ (Programmautomatik), „S“ (Blendenautomatik), „A“ (Zeitautomatik) und „M“ (manuelle Belichtungssteuerung) können ambitionierte Nutzer ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Die Anpassung der Aufnahmeparameter erfolgt über das Drehrädchen sowie das Vier-Wege-Pad. Der Autofokus arbeitet schnell und zuverlässig, wobei die Geschwindigkeit im Live-View-Modus spürbar nachlässt.

Leichter Einstieg: Der Guide-Modus gibt unerfahrenen Fotografen hilfreiche Tipps zu verschiedenen Aufnahmeparametern
Anders als bei manch gehobenem Modell ist die Anzahl der Tasten und Schalter genau richtig: Obwohl die Rückseite der D3100 aufgeräumt wirkt, vermisst man keineswegs das Gefühl von Funktionalität. Wichtige Bedienelemente sind direkt erreichbar und lassen sich betätigen, ohne die Kamera vom Auge nehmen zu müssen. Die Einstellungen werden allesamt auf dem Display dargestellt, eine separate LCD-Anzeige ist nicht an Bord. Der Monitor misst großzügige drei Zoll (7,5 cm) in der Diagonale und löst 230.000 Bildpunkte auf. Die Auflösung reicht für die meisten Zwecke zwar aus, doch bieten Konkurrenten wie die Sony α580 (Test in Ausgabe 3-4/2011) bereits 920.000 Pixel und mehr.
Das Menü ist übersichtlich aufgebaut und ermöglicht unter anderem eine Sensorreinigung, eine individuelle Tastenbelegung, eine Kartenformatierung sowie Änderungen an der Bildqualität und -größe. Belichtungsreihen zur späteren Erstellung von HDR-Fotos werden leider nicht unterstützt. Dafür kann der Nutzer seine gesicherten Aufnahmen über die Wiedergabefunktion nachbearbeiten. So lassen sich unmittelbar auf der Kamera zum Beispiel Videos kürzen und optimieren oder Bilder beschneiden, farblich an passen und mit Filtereffekten versehen. Die HDMI-Schnittstelle gestattet die Präsentation der Fotos und Videos auf einem hochauflösenden Fernseher.

Fest eingebaut: Auf ein schwenkbares Display, das zum Beispiel Aufnahmen aus der Frosch- und Vogelperspektive erleichtert, muss man bei der D3100 leider verzichten
Kreativprogramme

Der Schalter rechts neben dem Modus-Wahlrad ermöglicht die Einstellung der Aufnahmebetriebsart: Einzelbild, Serienaufnahme, Selbstauslöser und leise Auslösung (verlangsamter Spiegelschlag)
Während die im letzten Heft (3-4/2011) getestete D7000 gleich mit 19 verschiedenen Motivprogrammen glänzt, muss sich der Fotograf bei der D3100 mit sechs Stück zufriedengeben. Dazu gehören unter anderem „Porträt“ für weicher wirkende Bilder von Personen, „Kinder“ für scharfe und farbenfrohe Fotos des Nachwuchses sowie „Sport“ für das Fotografieren von schnellen Objekten. „Landschaft“, „Nahaufnahme“ und „Nachtporträt“ komplettieren die Auswahl. Für das Knipsen in Galerien, Museen und anderen Ausstellungen hält die Kamera außerdem einen Automatikmodus ohne Blitz bereit. Alle Modi sind einzeln über das Wahlrad auf der Oberseite abrufbar.
Noch mehr Spielereien bietet die integrierte Bearbeitungsfunktion: Mit ihr lassen sich Fotos nicht nur beschneiden und farblich abgleichen, sondern auch monochrom einfärben (Schwarzweiß, Sepia und Blauton), im Fisheye-Stil verzerren oder mit einem Miniatureffekt versehen. Rote Augen, Verzeichnungen und perspektivische Verzerrungen kann die Nikon-DSLR ebenfalls digital korrigieren. Zudem hellt „D-Lighting“ dunkle Partien auf und reduziert gleichzeitig Spitzlichter im Bild, um etwa kontrastreiche Motive nachträglich zu optimieren.
Abschließend stehen noch sieben Filtereffekte – beispielsweise „Skylight“ und „Sterneffekt“ – zur Verfügung. Die Ergebnisse sind akzeptabel, kommen an die Wirkung echter Vorsatzfilter aber selbstverständlich nicht heran.
Bildqualität

Schloss Neuschwanstein bei Nacht: Selbst in absoluter Dunkelheit und aus weiter Entfernung gelingen mit der Nikon D3100 ordentliche Fotos
Nikon geht bei seinen Digicams strikt nach Klassentrennung vor: Während die in Heft 3-4/2011 getestete Mittelklasse- DSLR D7000 über einen CMOS-Sensor mit 16,2 Megapixeln verfügt, löst der gleich große Chip des Einstiegsmodells zwei Millionen Bildpunkte weniger auf. Die Auflösungsunterschiede sind im A4-Ausdruck jedoch marginal und werden erst jenseits des A3-Formats erkennbar.
Auch in puncto Detailschärfe anehmen sich beide Kameras nicht sonderlich viel. So gefällt die D3100 mit einer sehr guten Durchzeichnung, die bei Verwendung der Kitobjektive zum Rand hin aber etwas weich ausfällt. Im Zusammenspiel mit der 18-bis-105-Millimeter-Optik kommt es außerdem zu leichten Verzerrungen und Farbsäumen. Die Farbdarstellung ist dennoch originalgetreu und wirkt nur bei knalligen Tönen (zum Beispiel neonähnlichen Farben) ein wenig übersättigt. Der Weißabgleich arbeitet im Großen und Ganzen zuverlässig. Hinzu kommt das „Active D-Lighting“-Feature, welches die Dynamik bei kontrastreichen Motiven optimiert.

Wenn's schnell gehen muss: Die Automatikmodi der Nikon D3100 liefern in Schnappschusssituationen durchaus brauchbare und dank „Active D-Lighting“ sogar kontrastoptimierte Fotos
Das Rauschverhalten kann ebenfalls überzeugen und macht sich erst ab vierstelligen ISO-Werten durch mehr oder minder starke Körnungen bemerkbar. Videos zeichnet die D3100 in normaler oder voller HD-Auflösung auf (H.264-Codec). Das Full-HD-Filmmaterial hat dabei eine Bildrate von 24 Bildern pro Sekunde, im 720p-Format schafft die Kamera bis zu 30 Bilder in der Sekunde. Leider weisen die Aufnahmen bei schnellen Schwenks und bewegten Objekten teils Verzerrungen auf (Rolling-Shutter-Effekt). Zudem sorgt der kontinuierliche Autofokus für Störgeräusche auf der Tonspur. Ansonsten liefert das eingebaute Mikrofon trotzdem eine akzeptable Audioqualität, wenn auch nur in Mono.
Fazit
Technisch betrachtet passt die neue D3100 so gar nicht in das Klischee eines Einstiegsmodells: Sie ist zwar verhältnismäßig günstig (649 Euro inklusive Objektiv), kompakt und punktet mit einer ausgesprochen einfachen Bedienung, aber ihre überzeugende Fotoqualität steht vielen teureren Mittelklasse-DSLRs in nichts nach. Zu den Stärken gehören dabei vor allem das niedrige Rauschverhalten und der präzise Autofokus. Letzterer arbeitet allerdings nur im Sucherbetrieb zuverlässig. Wer primär im Live-View-Modus fotografiert, muss sich mit einer langsameren und ungenaueren Scharfstellung zufriedengeben. Zudem könnte die Auflösung des Displays höher sein. Im Großen und Ganzen ist die Nikon D3100 trotzdem eine durchaus gelungene Spiegelreflexkamera, die – wenn man von der Abbildungsleistung der Kitobjektive absieht – selbst ambitionierte Nutzer glücklich stimmen dürfte. Dafür vergeben wir das FOTO DIGITAL -Qualitätssiegel „Gut“ sowie den „Kauftipp“.
Dieser Beitrag wurde in Ausgabe 5-6/2011 der FOTO DIGITAL veröffentlicht. Sie können die Zeitschrift hier zum Vorzugspreis von 39,90 Euro (1 Jahr mit 6 Ausgaben; Auslandspreis 50,40 Euro) abonnieren. Als kleines Dankeschön bekommen Sie von uns ein tolles Geschenk. Mehr zur aktuellen Prämie finden Sie auf unserer Abo-Seite.
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Weiterführende Links:









Wie bekommt man am besten die Linse einer Digitalkamera sauber wenn man unterwegs ist?
Ich will die Linse nicht zerkratzen oder beschädigen aber man hat ja nicht immer alles einstecken wenn man die Linse sauber machen will.
Danke für eure Hilfe.
LG
Frank
Hallo Frank,
eine einfache Lösung für zu Hause und unterwegs ist z.B. der “Hama Lenspen” zum Preis von ca. 10 Euro.
Alternativ kann man auch ein weiches Mikrofaser- oder Brillenreinigungstuch verwenden und damit die Optik von innen nach außen säubern. Wichtig: keine aggressiven Reinigungsmittel benutzen, da diese ggf. die Linsenoberfläche angreifen. Einfaches Anhauchen reicht in vielen Fällen ebenfalls aus.
Viele Grüße,
Martin