Sony Cyber-shot DSC-HX100V im Test: Ganz groß rauskommen
16,2 Megapixel, 30-facher optischer Zoom, 1080p-Videofunktion – das sind die Eckdaten der neuen Sony Cyber-shot DSCHX100V. Integriertes GPS und 3D-Optionen machen die Bridgekamera zum echten Allrounder. Ob die moderne DSLR-Klasse jetzt einpacken kann, verrät der FOTO DIGITAL-Praxistest.
Für eine „digitale Kompaktkamera“, wie sie Sony etwas lieblos bezeichnet, ist die neue Cyber-shot DSCHX100V ziemlich groß geraten. Tatsächlich gehört das einer DSLR ähnelnde Modell mit Abmessungen von 121,6 x 86,6 x 91,1 Millimetern (B x H x T) zur Gattung der Bridgekameras, zumal auch die manuellen Einstelloptionen sowie die Full-HD-Videofunktion vor allem ambitionierte Fotografen ansprechen. Herausstechendstes Merkmal – und das ist wörtlich zu nehmen – dürfte aber wohl das 30-fache Zoomobjektiv sein, das in maximaler Telestellung mehr als fünf Zentimeter weit aus dem Gehäuse ausfährt.
Technik

Kleiner Sensor gleich große Schwäche? Der CMOS-Chip misst lediglich 5,6 x 4,2 Millimeter, was auf ein schlechtes Rauschverhalten schließen lässt
Die fest eingebaute Optik des neuen Cyber-shot-Flaggschiffs entstammt dem Hause Carl Zeiss und deckt eine Kleinbild-Brennweite von 27 bis 810 Millimeter ab, wobei die Lichtstärke von f/2,8 bis f/5,6 reicht. Als besonderes Extra verfügt die Kamera über einen Fokusring zum manuellen Scharfstellen. Der CMOS-Sensor fällt leider etwas klein aus: Auf einer Fläche von nur 5,6 x 4,2 Millimetern (1/2,3-Zoll-Format) tummeln sich stattliche 16,2 Millionen Pixel, die ein schlechtes Rauschverhalten erahnen lassen. Ob sich diese Befürchtung bewahrheitet oder ob die angeblich rauschunterdrückende „Exmor-R“-Technologie dem effektiv entgegenwirkt, haben wir unter dem Punkt „Bildqualität“ getestet. Immerhin kann die Lichtempfindlichkeit zwischen ISO 100 und ISO 3.200 manuell eingestellt werden. Die Belichtungszeit ist in den Modi „S“ (Verschlusspriorität) sowie „M“ (Manuell) zwischen einer Viertausendstelsekunde und 30 Sekunden wählbar.
Gegen Verwacklungsunschärfen bei zittrigen Händen hat Sony der DSC-HX100V einen mechanischen Bildstabilisator spendiert. Das System funktioniert – ebenso wie der Neun-Punkt-Autofokus – sowohl im Foto- als auch im Videomodus. Letzterer wird übrigens über die eigene Taste „Movie“ gestartet und filmt im AVCHD-Format mit 50 Vollbildern pro Sekunde (1.920 x 1.080 Pixel, 50p). Fotos hingegen lassen sich ausschließlich als JPEG-Datei auf dem 19 Megabyte großen internen Speicher oder bevorzugt auf einer SD-/SDHC-/SDXC-Karte beziehungsweise einem Memory Stick ablegen. Dank integriertem GPS-Modul inklusive Kompass kann außerdem jede Aufnahme exakt lokalisiert werden. Mangels Signalstärke sollte man sich hierfür allerdings außerhalb eines Gebäudes befinden. Ein weiteres Highlight ist die 3D-Funktion zum Erstellen stereoskopischer Bilder, mehr dazu im Absatz „Kreativprogramme“. Ferner kann der Nutzer mit der im Lieferumfang enthaltenen Software „Picture Motion Browser“ (PMB) seine Bilder und Videos auf einen kostenlosen Online-Speicher hochladen.
Bedienung

Sony hat der DSC-HX100V auf der Oberseite ein Stereomikrofon spendiert – der Zoom erfolgt über den Fokusring oder den Drehschalter
Spiegelreflex-Aspiranten dürften mit der Cyber-shot DSC-HX100V voll auf ihre Kosten kommen. Dazu tragen insbesondere die DSLR-ähnliche Bauweise und Handhabung bei. Hier spielt es nicht einmal eine Rolle, ob man ein erfahrener Fotograf oder ein Einsteiger ist: Das Menü ist übersichtlich aufgebaut und erklärt fast jeden Punkt mit einer kurzen Infoeinblendung. Zusätzlich hilft der „Kameraführer“ (eine integrierte Bedienungsanleitung) auf die Sprünge, wenn der Nutzer beispielsweise einen Modus, eine Funktion oder ein Symbol nicht versteht.

Auf Wunsch kann der Fotograf das Motiv auch manuell scharf stellen – das Live-View-Display ist nach oben und unten schwenkbar
Die Bedienelemente sind logisch angeordnet und klar beschriftet. In den manuellen beziehungsweise halbautomatischen Modi „P“, „S“, „A“ und „M“ können die wichtigsten Aufnahmeparameter einfach über den Drehschalter am Daumen eingestellt werden. Bei aktiviertem Autofokus erfolgt der Zoomvorgang entweder über den manuellen Fokusring oder den Regler um den Auslöser herum. Praktisch: Der elektronische Sucher wird automatisch eingeschaltet, wenn sich die Kamera dem Auge nähert. Leider ist seine Auflösung mit 201.600 Bildpunkten relativ gering, so dass die meisten Fotografen das drei Zoll große Live-View-Display mit stattlichen 921.600 Pixeln bevorzugen dürften. Zudem lässt sich der Monitor auch noch flexibel nach unten und oben schwenken.
Die Position „MR“ auf dem Modus-Wahlrad sowie die Taste „Custom“ sind im Menü mit bis zu drei persönlichen Kameraeinstellungen beziehungsweise einer Funktion belegbar. Wer sich nicht selbst um die Parameter kümmern möchte, kann neben der bekannten Vollautomatik „iAuto“ auch auf den neu hinzugekommenen „Superior Auto Mode“ zurückgreifen. Der Modus erfasst verschiedene Aufnahmesituationen automatisch, justiert Blende, Lichtempfindlichkeit sowie andere Werte und schießt mehrere Fotos in Serie, welche dann zu einem optimierten Bild zusammengefügt werden. Mit zehn Bildern pro Sekunde knipst die Cyber-shot DSCHX100V erfreulich schnell. Dafür gehen allerdings das Umschalten zwischen den Modi sowie das manuelle Fokussieren etwas träge vonstatten. Vom Einschalten bis zur ersten Aufnahme vergehen rund zwei Sekunden. Der Akku wird übrigens mittels Netzkabel unmittelbar in der Kamera aufgeladen, wobei das Gerät weiterhin einsatzbereit bleibt. Leider muss man auf jegliche Erweiterungsmöglichkeiten wie Vorsatzlinsen, Filter und externe Blitzgeräte verzichten.
Kreativprogramme
Sony ist mittlerweile bekannt dafür, die 3D-Funktion in nahezu all seinen Geräten zu integrieren. Davon bleibt auch die neue Cyber-shot DSC-HX100V nicht verschont. So gibt es zwei verschiedene Modi, um stereoskopische Fotos zu generieren: Im Modus „3D-Standbild“ fertigt die Kamera zwei Bilder mit unterschiedlichen Fokuspunkten an und erzeugt so verschiedene Tiefenwirkungen für das rechte beziehungsweise linke Auge.
Anders die „3D-Schwenkpanorama“-Funktion – sie zeichnet während eines Kameraschwenks selbstständig mehrere Einzelfotos auf, die anschließend zu einem dreidimensionalen Panorama verrechnet werden. Auf die gleiche Weise lässt sich im entsprechenden Modus ein normales (2D-)Panorama aufnehmen. Hinzu kommt die Szenenwahl („SCN“), in der neben bekannten Kreativprogrammen wie „Soft Skin“ (Porträt), „Landschaft“ , „Tiere“ , „Strand“ , „Feuerwerk“ oder „Fortgeschrittene Sportaufnahme“ auch eine „Hintergrundunschärfe“ zur Verfügung steht. Hierbei handelt es sich allerdings nur um einen Effekt, bei dem die Kamera zwei Aufnahmen mit unterschiedlicher Fokussierung zusammenfügt.
Dementsprechend lässt das Ergebnis sehr zu wünschen übrig. Für die Gegenlichtkorrektur bei starken Kontrasten ist eine HDR- Funktion (High Dynamic Range) an Bord. Wer die Dynamikoptimierung selbst in die Hand nehmen möchte, kann auf die Belichtungsreihe (Bracketing) zurückgreifen. Darüber hinaus bietet die Cyber-shot DSC-HX100V fünf Farbmodi („Standard“ , „Lebendig“ , „Real“ , „Sepia“ und „Schwarz-Weiß“), einen zuschaltbaren ND-Filter sowie eine automatische Auslösung bei Lächeln. Im Wiedergabemodus komplettieren ein Skalierungstool, eine Rote-Augen-Korrektur sowie eine Unscharfmaske das Angebot.
Bildqualität

Goldene Stunde: Die Kamera fängt die Äste im Sonnenuntergang scharf ein, erzeugt am Horizont aber (in der 100-Prozent-Anzeige sichtbare) Bildkörnungen
Angesichts des Preises von 469 Euro darf man natürlich bestimmte Ansprüche an die Bildqualität hegen. Die eher ernüchternde Botschaft vorab: Wer von einer Premium-Kompaktkamera wie der Panasonic Lumix DMC-LX5 auf Sonys Cyber-shot DSC-HX100V umsteigt, macht leider keinen echten Fortschritt. Der eingebaute 16,2-Megapixel-Sensor erreicht bei hellen Lichtverhältnissen zwar eine durchaus überzeugende Auflösung und Detailschärfe, ist wegen seiner winzigen Fläche und gleichzeitig hohen Pixeldichte aber sehr anfällig für Bildrauschen. So machten sich die– wenn auch noch nicht wirklich störenden–Körnungen bereits bei normaler Zimmerbeleuchtung und ISO 500 bemerkbar. Dazu gesellen sich kleinere JPEG-Kompressionsartefakte. Einen RAW-Modus hat der Hersteller bedauerlicherweise nicht spendiert.

Ein Blick aus dem Redaktionsgebäude: Das Schwenkpanorama der Cyber-shot DSC-HX100V liefert akzeptable Ergebnisse
Dafür arbeitet der Bildstabilisator äußerst zuverlässig und ermöglicht selbst ohne Stativ verwacklungsarme Aufnahmen. Außerdem ist der Autofokus ausgesprochen leise, hat im Telebereich jedoch oftmals Schwierigkeiten, das Motiv scharf zu stellen. Erfreulich finden wir, dass das Objektiv trotz seines riesigen Brennweitenumfangs zwischen 27 und 810 Millimetern nur wenig verzerrt. In puncto Farbwiedergabe überzeugt die Kamera mit einer originalgetreuen Darstellung und feinen Abstufungen. Lediglich das Kontrastvermögen und die Belichtung könnten ein wenig höher sein. Große Helligkeitsunterschiede lassen sich bis zu einem gewissen Maße mit dem HDR-Feature bewältigen. Wie bereits erwähnt, ist auch eine Full-HD-Videofunktion an Bord. Die Aufnahmen sind knackig scharf und zeichnen sich–zumindest auf relativ aktuellen Rechnern–durch eine flüssige Wiedergabe mit 50 Bildern pro Sekunde aus. Das AF -System fokussiert beim Filmen automatisch und völlig geräuschlos. Lediglich Zoomvorgänge sind auf der Tonspur zu hören. Ansonsten kommt die Soundkulisse dank integriertem Stereomikrofon optimal zur Geltung.
Fazit
Nachdem Sony in der Vergangenheit immer wieder mit seinen Spiegelreflexkameras punkten konnte, finden wir es ziemlich schade, dass die Cyber-shot DSC-HX100V nicht ganz an den Erfolg der „großen Schwestern“ anknüpfen kann. So professionell das Gehäuse auch wirkt, kommt im Inneren nun einmal – bis auf wenige Ausnahmen – fast nur Technik aus der Kompaktsparte zum Einsatz. Dennoch belohnt die Digicam den Fotografen tagsüber mit einer überzeugenden Detailschärfe und natürlichen Farben. Hinzu kommt ein 30-facher Brennweitenbereich, mit dem sich Objekte sowohl aus der Nähe als auch aus der Ferne problemlos einfangen lassen. Leider bleibt die Cybershot DSC-HX100V aber ein kurzweiliges Vergnügen, da sie keinerlei Erweiterungsmöglichkeiten wie einen Zubehörschuh, ein Filtergewinde oder einen Selbstauslöser-Anschluss bietet und die vollautomatischen Modi in der Dämmerung versagen. Immerhin heimst die Full-HD-Videofunktion wertvolle Pluspunkte ein und rettet die Kamera mit dem FOTO DIGITAL -Qualitätssiegel „Gut“. Anspruchsvollen Nutzern, die ihre fotografischen Fähigkeiten kontinuierlich ausbauen wollen, empfehlen wir dennoch eine DSLR.
Dieser Beitrag wurde in Ausgabe 5-6/2010 der FOTO DIGITAL veröffentlicht. Sie können die Zeitschrift hier zum Vorzugspreis von 39,90 Euro (1 Jahr mit 6 Ausgaben; Auslandspreis 50,40 Euro) abonnieren. Als kleines Dankeschön bekommen Sie von uns ein tolles Geschenk. Mehr zur aktuellen Prämie finden Sie auf unserer Abo-Seite.
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