Magix Foto Premium 10 im Test: Preiswerte Alternative zu Photoshop?
Ende September hat Magix mit „Foto Premium 10“ seine neue Komplettlösung für Foto, Grafik und Diashow auf den Markt gebracht. Zahlreiche Bearbeitungsfunktionen und der relativ günstige Preis von rund 100 Euro sollen dem teuren Platzhirsch Adobe Photoshop das Wasser abgraben. Fällt der Entwickler dabei selbst ins Wasser?
Die digitale Nachbearbeitung von Bildern spielt schon lange nicht mehr nur im Profisegment eine große Rolle, sondern wird zunehmend auch bei Hobbyfotografen zur Selbstverständlichkeit.Ob Farbkorrekturen vornehmen, Fotos retuschieren, die Belichtung anpassen oder einzelne Bereiche freistellen – all das ist mit der geeigneten Software kein Problem. Vor allem Photoshop aus dem Hause Adobe Systems gilt hier seit Jahren als Referenz. Einziges K.O.- Kriterium ist der sündhaft hohe Preis, der in der aktuellen Version (CS5) bei über 1.000 Euro liegt. Deutlich weniger kostet Magix‘ neue Komplettlösung, die sich sehr vielversprechend anhört.
Ausstattung und Installation

Dritte Dimension: Mit dem Programm „Fotos auf CD und DVD 10 Deluxe“ lassen sich 3D-Diashows erstellen
Der Umfang von „Foto Premium 10“ ist schon nach dem Öffnen des ansprechend gestalteten Pappkartons ersichtlich: Neben dem Software-Paket selbst, das rund vier Gigabyte auf einer DVD misst, beinhaltet die Verpackung auch ein fast 200-seitiges andbuch, eine 3D-Anaglyphenbrille sowie das Datenrettungsprogramm „Retten Sie Ihre Notebook-Daten“ als kostenlose Jubiläumsbeigabe im Wert von 39,99 Euro. „Foto Premium 10“ besteht aus vier separaten Anwendungen („Fotos auf CD und DVD 10 Deluxe“ , „Foto & Grafik Designer 6“ , „Foto Designer 7“ und „Foto Manager 10“), die alle installiert werden müssen und den Vorgang entsprechend in die Länge ziehen. Anschließend fordert Magix noch eine persönliche Registrierung, ohne die keine Software-Updates und Support-Anfragen möglich sind.
Neu hinzugekommen ist außerdem die Möglichkeit, stereoskopische 3D-Fotos unter „Fotos auf CD & DVD 10 Deluxe“ zu erstellen (mehr dazu im Infokasten 3D-Unterstützung). Jede einzelne Anwendung mit ihren Features genau unter die Lupe zu nehmen, würde den Rahmen dieses Tests sprengen. Deshalb widmen wir uns hier in erster Linie den Bildbearbeitungsfunktionen, die das Programmpaket zu einer Photoshop-Alternative machen sollen.
Das richtige Unterprogramm
Wie schon erwähnt, besteht Magix‘ neue Lösung aus mehreren Anwendungen, die jeweils eigene und voneinander unabhängige Bearbeitungsoptionen bieten. Um bei der Wahl des richtigen Programms nicht durcheinander zu kommen, sind im Foto- Premium-10-Startfenster in vier Kategorien (Foto, Grafik, Webdesign und Online-Welt) verschiedene Aufgabenstellungen wie etwa „Fotos perspektivisch korrigieren“ , „Frei zeichnen“ , „Internetgrafiken“ und „Fotobücher gestalten“ aufgeführt. Per Klick auf die gewünschte Aufgabe wird die entsprechende Anwendung geöffnet.
Farb- und Helligkeitseinstellungen

Bildbearbeitung für Fortgeschrittene: Im „Foto & Grafik Designer 6“ können Tonwertkorrekturen vorgenommen werden„Foto & Grafik Designer 6“ können Tonwert
Während sich mit dem pixel- und vektororientierten „Foto & Grafik Designer 6“ sowohl eigene Grafiken erstellen als auch Fotos nachbearbeiten lassen, ermöglicht der „Foto Designer 7“ nur eine rein pixelbasierte Bildbearbeitung. Will man ganze Bildbereiche in puncto Helligkeit, Kontrast, Sättigung und Schärfe verändern, ist die ältere Programmversion dank erweiterter Korrekturfunktionen die bessere Wahl.
In „Foto Designer 7“ ist der Aufgabenassistent besonders erwähnenswert, da er die Suche nach dem richtigen Tool überflüssig macht und so vor allem Einsteigern die Arbeit immens erleichtert. Auf Wunsch übernimmt die Software automatisch die Optimierung von Belichtung und Bildfarbe. Leider lassen die Ergebnisse oftmals zu wünschen übrig, weswegen die manuellen Einstellfunktionen präferiert werden sollten. Dabei kann der Nutzer sowohl auf stufenlose Regler für Schatten, Mitteltöne und Lichter als auch auf ein breites Farbspektrum zurückgreifen.
Überdies können in „Foto & Grafik Designer 6“ umfassende Tonwertkorrekturen vorgenommen werden. Im Endeffekt halten beide Anwendungen, was sie versprechen, und sie punkten mit einer ansprechenden Bedienoberfläche. Allerdings finden wir die Aufteilung der Features auf zwei Programme sowie die verschiedenen Funktionsbezeichnungen ein wenig verwirrend: „Im Foto & Grafik Designer 6“ heißt die Ebenenansicht „Seiten-&-Ebenen-Galerie“ , im „Foto Designer 7“ hingegen „Objektmanager“ . Die Ebenenverwaltung an sich ist für unseren Geschmack ziemlich kompliziert.
Retusche
In Adobes Photoshop gelingen Verbesserungen am Foto dank Kopierstempel, Wischfinger, Scharfzeichner und anderen Werkzeugen normalerweise schnell und problemlos. Auch Magix hat seinem Software-Paket entsprechende Tools spendiert. Sollen zum Beispiel ganze Bildelemente entfernt oder retuschiert werden, bietet sich der „Foto & Grafik Designer 6“ an. Den gewünschten Bereich kann der Nutzer komfortabel mit der Klon-Funktion auswählen. Für möglichst sanfte Übergänge lässt sich der geklonte Sektor anschließend glätten und größenmäßig anpassen. Im kleineren Stil verfügt auch der „Foto Designer 7“ über ein solches Feature. So werden benachbarte Pixel zunächst markiert und danach mithilfe der Maus auf den zu retuschierenden Bereich übertragen. Die Kreativfunktion „Künstlerisch verfremden“ im Aufgabenassistenten ermöglicht außerdem das Modellieren von Gesichts- und Körperpartien auf dem Foto. Im Allgemeinen arbeiten beide Anwendungen hinsichtlich der Retusche sehr zuverlässig, erfordern für optimale Ergebnisse jedoch etwas Übung.
Ausschneiden und freistellen
Der letzte Schritt der digitalen Bildbearbeitung besteht zumeist im Zurechtschneiden des Fotos bzw. Freistellen eines Objekts. Photoshop stellt hierfür vom Zauberstab über Lasso-Werkzeuge bis hin zu Pfaden verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Magix hat bei „Foto Premium 10“ ebenfalls an solche – wenn auch etwas gewöhnungsbedürftige – Tools gedacht. So kann der Nutzer in „Foto & Grafik Designer 6“ zwar einen Bildbereich mithilfe verschiedener Formwerkzeuge (Rechteck, Polygon, Stern und Ellipse) auswählen oder auch die Konturen des Objekts nachzeichnen, jedoch sollte er davor unbedingt den Masken-Modus aktivieren, um den gewünschten Ausschnitt freistellen zu können.
In „Foto Designer 7“ steht das bekannte Zauberstab-Tool bereit, das aber nur bei eindeutig abgegrenzten, kontrastreichen Konturen hilfreich ist. Bei herkömmlichen Fotos lässt die vorgeschlagene, leider nicht erweiterbare Auswahl Raum für Kritik. Ferner ist das Programm nicht für große Bilddateien ausgelegt. Um Abstürze zu vermeiden, sollte das Foto zunächst verkleinert und erst dann importiert werden. Eigenen Angaben zufolge arbeitet Magix bereits an einer Lösung für dieses Problem. Wann das Update erscheinen wird, ist aber noch unklar.
Sonstige Funktionen

Gekonnt überdecken: Mit dem Klon-Werkzeug von „Foto & Grafik Designer 6“ lassen sich störende Bildelemente entfernen
Allen Unzulänglichkeiten zum Trotz bietet „Foto Premium 10“ im Vergleich mit Photoshop ein paar komfortablere Alleinstellungsmerkmale. Dazu gehört unter anderem die „intelligente (inhaltsabhängige) Skalierung“ im „Foto & Grafi k Designer 6“ , mit der wichtige Bildbestandteile vergrößert oder verkleinert werden können, ohne das eigentliche Objekt bzw. geschützte Inhalte zu verzerren. Ferner ermöglicht eine Perspektivenkorrektur die Parallelstellung stürzender Linien, die vor allem bei Architektur- und Gebäudefotografien auftreten. Dieses Feature funktionierte im Test zwar ohne Probleme, hatte jedoch sichtbare Qualitätseinbußen zur Folge. Ebenso kann der Nutzer mehrere (nebeneinander geschossene) Fotos zu einem Panoramabild zusammenfügen. Auch für Webdesigner sind hilfreiche Tools zur Erstellung von Internetseiten, Buttons und animierten Bannern an Bord. Vorlagen für Fotokalender, Visitenkarten, Einladungen, CD-Cover und andere Elemente komplettieren die Gestaltungsmöglichkeiten.
Fazit
Magix ist mit „Foto Premium 10“ ein großer Wurf gelungen. Hobbyfotografen bekommen für rund 100 Euro nicht nur Bildverwaltungsfunktionen, sondern auch zahlreiche Bearbeitungsmöglichkeiten, die das Software-Paket zu einer günstigen Photoshop-Alternative machen – zumindest was die häufig genutzten Features der digitalen Nachbearbeitung betrifft. Allerdings kommen die Programme nur bedingt mit großen Bilddateien zurecht und weisen hinsichtlich der Arbeit mit Ebenen beträchtliche Defizite auf. Profis sollten sich also lieber anderweitig umsehen. Etwas verwirrend finden wir außerdem, dass sich manche Funktionen in den Anwendungen „Foto & Grafik Designer 6“ und „Foto Designer 7“ überschneiden. Wer aber mit der teils gewöhnungsbedürftigen Bedienung zurechtkommt, ist mit „Foto Premium 10“ gut bedient – zumal das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.
Systemvoraussetzungen (mindestens):
• CPU: Intel Pentium oder AMD Athlon ab 1,83 GHz
• Arbeitsspeicher: 512 Megabyte
• Freier Festplattenspeicher: 1 Gigabyte
• Grafikkarte: min. 512 MByte RAM und Pixelshader 2.0 (nur erforderlich für Bearbeitung von HD-Videoclips)
• Soundkarte: 16-Bit • Betriebssystem: Microsoft Windows XP oder höher
• Sonstiges: Blu-ray/CD-/DVDBrenner zum Brennen von Discs, Microsoft DirectX 9.0c, Windows Media Player ab Version 10 (MP3- Tonübertragung)
Dieser Beitrag wurde in Ausgabe 1-2/2010 der FOTO DIGITAL veröffentlicht. Sie können die Zeitschrift hier zum Vorzugspreis von 39,90 Euro (1 Jahr mit 6 Ausgaben; Auslandspreis 50,40 Euro) abonnieren. Als kleines Dankeschön bekommen Sie von uns ein tolles Geschenk. Mehr zur aktuellen Prämie finden Sie auf unserer Abo-Seite.
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